Hamburgs Umweltbehörde will kein Umweltboot auf der Alster

Januar 18th, 2012

“UMWELTHAUPTSTADT” WEHRT SICH MIT ALLER MACHT GEGEN AUFKLÄRUNGFAHRTEN DES EINZIGEN UMWELTBOOTS AUF DER ALSTER

Alster Umweltaufklärung für Schüler ersatzlos gestrichen

Die Hamburger Umweltbehörde hat die Idee des gemeinnützigen Vereins Green Life abgelehnt, ein weiteres Jahr kostenlose Umwelttouren für alle Bürger auf der Alster anzubieten (zum NDR Hamburg Journal Bericht mit diesen Link). Die SOLARIS hatte ihre Fahrerlaubnis im Umwelthauptstadtjahr 2011 nur erhalten weil sich ein Alsteranleger zur Verfügung stellte und sein Dieselmotorboot für die Solaris in 2011 still legte. Es bestand von Seiten der Umweltbehörde bis dahin kein Interesse noch aktive Förderung für ein Umweltboot und Aufklärungsfahrten auf der Alster im Umweltjahr. Nun soll mit den kostenlosen Umwelttouren, die der Regierung offensichtlich ein Dorn im Auge sind, endgültig Schluss sein. Zuvor wurde der Betrieb erschwert soweit es nur ging. Die SOLARIS bekam nach langem Insistieren nur eine Erlaubnis für drei Tage die Woche, dann wurde die Fahrten an das “Umwelthauptstadtlogo” gekoppelt und auf den 30.10.11 begrenzt, ursprünglich untersagte die Fahrerlaubnis sogar Fahrten mit Personen zu Vorführungszwecken. Eine gesetzliche Grundlage zu schaffen für CO2-freie Elektromobilität zu Schulungszwecken für Kinder, Schüler und alle, die unsere Welt demnächst gestalten werden, scheint für den Senat keine Option.

Amsterdam, der Freistaat Bayern und das Land Taiwan haben bereits jegliche umweltschädliche Dieseltechnik per Gesetz abgeschafft im Binnenschifffahrtsbereich. Elektroboote werden hier gefördert, brauchen in Bayern z.B. nur noch eine TÜV Prüfung und gar keine behördliche Anmeldung mehr auf Binnengewässern.Green Life hatte zusammen mit Utopia und dem Hersteller Solarwaterworld ein baugleiches Boot auf den Starnberger See gebracht, das dort ebenfalls begeistert aufgenommen wurde.

Die zentrale und für alle Bürger für Touren einfach zu erreichende Alster soll gegen das emissionsfreie Boot geschützt werden. Hierzu wird die Alsterschifffahrtsverordnung bemüht, die alle bisher vorhanden und genehmigten Boote legitimiert und deren eigentliche Hauptaufgabe der Gewässerschutz sein sollte. Der Sprecher der BSU (Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt), Christian Landbeck, entgegnete auf unzählige schriftliche Anfragen von Hamburger Bürgern, die weiterhin aktiven Umweltschutz auf der Alster mit der SOLARIS wollen mit der Begründung, die Alster schützen zu wollen. Aus dem Antwortschreiben: “Bitte haben Sie Verständnis dafür dass die Alsterschifffahrtsverordnung  dem Schutz des Gewässers und der Ufer sowie der Tiere und Pflanzen und der Landschaft dient und der Alster als Naherholungs-und Sportgebiet erhalten soll.“

Alle auf der Alster zugelassenen Motorboote unterliegen dieser Alsterschiffahrtsverordnung und werden mit zwei Ausnahmen mit Öl und Dieselkraftstoff betrieben. Wie soll dieser Sachverhalt die Umwelt und das Gewässer schützen? Die Vorbildfunktion und das Alleinstellungsmerkmal des in 2010 gebauten Solarbootes SOLARIS, das 100% emissionsfrei ist und seine Energie autark an Bord herstellt sei keine Grundlage für eine generelle Fahrerlaubnis und kostenlose Touren für Schüler und Hamburger Bürger. Auch die mit zwölf Jahre alter Technik ausgestattete “Alstersonne” der Alstertouristikgesellschaft fahre mit Solartechnik. Eine Tour mit der Barkasse kostet für Erwachsene ab 16 Jahren 13.00 EUR und für Kinder 6,50 EUR.(Quelle: ATG Website). Die Alsterflotte sollte nach und nach auf umweltfreundliche Antriebe umgerüstet werden, so die vollmundige Ankündigung aus dem Jahr 2000. Mit Steuergeldern angeschafft wurde seitdem nur ein Brennstoffzellenboot für 7,5 Millionen Euro, das gleich zu Beginn 2010 nach einem technischen Defekt ein Jahr wieder in der Werft lag.

Bürger fordern weiterhin kostenlose Umwelttouren

SEIT 11 JAHREN KEINE UMRÜSTUNG AUF UMWELTFREUNDLICHE ANTRIEBE

Die “vergleichsweise strengen Maßstäbe der Alsterschifffahrtsverordnung” sehen keine Proleme bei Passagierschiffbooten, die alle zwei Wochen ca. 1000 Liter Diesel benötigen ( Aussage des Heizers einer Alsterbarkasse auf Green Life Nachfrage) und natürlich permanent Abgase durch ihre Auspuffe ausstossen. Wer mit der SOLARIS gefahren ist, so wie mittlerweile über 1500 Bürger, konnte sich live davon überzeugen. Auch alle anderen Motorboote auf der Alster, die jährlich eine neue Fahrerlaubnis erhalten, mussten bislang nicht auf CO2-freie Antriebe umgerüstet werden. Auch die Klimaziele der Stadt Hamburg sehen dies anscheindend nicht vor. Die SOLARIS ist nach überprüfbarem Kenntnisstand das einzige Boot, das alle Auflagen erfüllt, die die Maßstäbe zur Verordnung bilden. Hier die Fakten:

Die Alsterschifffahrtsverordnung schreibt in ihrem § 2 Absatz 3 vor:

(3) Die Erlaubnis kann den Fahrbetrieb auf bestimmte Zeiten und das Fahrtgebiet auf einzelne Gewässerabschnitte oder -strecken beschränken. Sie wird grundsätzlich nur befristet erteilt und kann mit einem Widerrufsvorbehalt versehen werden. Die Erlaubnis kann versagt, an Bedingungen und Auflagen geknüpft werden, soweit das Wohl der Allgemeinheit, die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs, die öffentliche Ruhe, der Schutz des Eigentums, der Uferbepflanzung oder Uferbefestigung, der gewässerbezogenen Flora und Fauna oder die Reinhaltung oder Unterhaltung des Gewässers es erfordern oder die von der Maschine erzeugten Emissionen den aquatischen Lebensraum oder die Luft nachteilig verändern können.

CO2 freier Antrieb durch Photovoltaik

Hamburg bekämpft den Klimawandel mit Diesel und Öl

Unzählige Bürger schrieben der Behörde und der Umweltsenatorin Jutta Blankau ( SPD)  Fragen wie diese: “Wie sollen wir unseren Kindern erklären, dass Alsterdampfer mit einem unfassbar hohen Dieselverbrauch auf der Alster fahren dürfen, ein solarbetriebenenes, ohne jeglichen CO2-Ausstoss fahrbares, vollkommen geräuschloses Boot jedoch nicht gewünscht oder von den bestehenden Vorschriften nicht erlaubt sein soll?”

Trotz Ihrer Zusage zur Hilfe vor 250 Zuschauern beim Umwelt Dialog auf Kampnagel im Juli 2011 ist von der Umweltsenatorin seitdem in der Sache nichts zu hören. So wie auch schon von ihrer Vorgängerin Frau Hayduk von der GAL herrscht solare Stille bei der Kommunikation mit den Bürgern, die offensichtlich das Sonderrevier Alster nicht für die weisse Flotte reserviert sehen wollen, sondern für ihre Kinder. Obwohl man grundsätzlich nichts gegen die Sache habe, ist ein Fortführen von Umweltschutz, wie ihn die Mitglieder von GREEN LIFE selbst finanziert anbieten, nicht möglich. Dies, obwohl der Masterplan der Stadt Hamburg aus 2010 zur Verbesserung der Umwelt genau dies fordert – die Förderung des Bürgers, der sich einbringen soll beim Umweltschutz und seiner Aufklärung beim Erreichen der Klimaziele.

HAMBURG BRAUCHT MEHR UMWELTSCHUTZ AUF DER ALSTER. DIES HATTE DIE SPD NOCH 2010 GEFORDERT. DIE ALSTER BRAUCHT DIE SOLARIS. WIE IST IHRE MEINUNG? SCHREIBEN SIE DER UMWELTBEHÖRDE!

 

Weniger Verzicht, mehr Genuss

Januar 2nd, 2010

Das Jahr 2010 hat gerade begonnen und viele Menschen nehmen den Jahreswechsel zum Anlass die Dinge zu benennen, die anders werden sollen. Die guten Vorsätze, auch wenn sie oft nur kurze Zeit als solche präsent bleiben und selten zu wirklichen Veränderungen führen, zeigen mit welchen Dingen wir unzufrieden sind und wie wir uns eine bessere Zukunft vorstellen.

In den meisten Fällen haben diese Vorsätze mit Verzicht zu tun: weniger essen, weniger rumsitzen, weniger Geld ausgeben usw. In Zeiten des Klimawandels und des immer stärker werdenden Bewusstseins für eine ökologische und nachhaltige Lebensweise, denken viele Menschen auch über die Auswirkungen ihres Verhaltens auf unser Ökosystem nach. Das führt dann zu den entsprechenden Neujahrsvorsätzen wie: weniger Energie verbrauchen, weniger Auto fahren, weniger kaufen. Jetzt wo doch alle vom vielen Verzicht reden den der Klimawandel mit sich bringt, vom Ende des Wohlstands, des bequemen und unbesorgten Lebens. Da heisst es Licht ausschalten, Heizung runterdrehen und frierend mit Rentierpulli im Dunkeln sitzen und sich asketisch am so vorbildlich ausgeübten Verzicht zu erfreuen.

Während diese Vorsätze durchaus lobenswert sind, haben alle das gleiche grundsätzliche Problem: sie propagieren Verzicht! Und wer will schon verzichten? Verzicht bedeutet weniger haben, bedeutet Bedürfnisse zu unterdrücken, bedeutet Nein zu sagen! Das ist das Grundproblem der guten Vorsätze, deswegen wird aus der Theorie leider selten auch Praxis. Die Amygdala, unser Lust- und Belohnungszentrum im Hirn macht es uns schwer nach Verzicht zu streben, denn Belohnung in Form von Glückshormonen gibt es nur für Genuss. Eine Zwickmühle also, wie kommen wir vom Verzicht zum Genuss und ändern gleichzeitig unsere Lebensweise?

Die Antwort ist einfach: die Perspektive entscheidet über Verzicht oder Genuss. Denn was wir bei der vorher genannten Perspektive nicht sehen ist, dass der Verzicht nicht erst in der Zukunft durch selbstgemachte oder politisch bedingte Änderungen kommt, sondern schon sehr lange ein ganz selbstverständlicher Teil unseres Lebens ist. So verzichten wir schon seit Jahrzehnten auf:

  • saubere Luft
    weil wir umgeben sind von PKW, LKW und diversen Formen von motorisierten Zweirädern, die im Zusammenspiel mit der Industrie eine gigantische Menge an Feinstaub und anderen Schadstoffen produzieren, die unsere Gesundheit schädigen und zu Krankheiten führen.
  • Ruhe
    weil wir umgeben sind von Lärmquellen, durch eben genannte mit Verbrennungsmotoren angetrieben Verkehrmittel, Industrie und andere Dinge, die unseren scheinbar so bequemen und verzichtfreien Lebenstil ermöglichen.
  • Sicherheit
    weil wir in den 80er Jahren bereits die erste nukleare Katastrophe in Tschernobyl erlebt und nicht daraus gelernt haben, sondern in unmittelbarer Nähe weiterhin Atomkraftwerke betreiben die immer wieder mit neuen Störfällen auf sich aufmerksam machen.
  • Gesundheit
    weil wir Lebensmittel, Kleidung, Möbel und technische Geräte kaufen, die mit Chemikalien vollgestopft sind, weil unser Obst und Gemüse den Geschmack durch Aromastoffe bekommt und wir nicht einmal die Inhaltstoffe dessen kennen, was unser Organismus verdauen muss.
  • Geld
    weil wir viel Geld ausgeben um mit dem Auto ins “Grüne” zu fahren, mit dem Flugzeug an die See zu fliegen, uns Dinge zu kaufen, die uns durch ihren Konsum das Glücksgefühl wieder zu geben, auf das wir schon so lange verzichten.
  • Zeit
    weil wir mehr und mehr arbeiten um vermeintlich mehr Ruhe, mehr Sicherheit, mehr Geld, mehr Genuss zu haben, weil wir stundenlang im Auto im Stau stehen, einen Parkplatz suchen, im Supermarkt an der Schlange stehen.
  • Gerechtigkeit
    weil wir für all diesen scheinbaren Wohlstand und Genuss andere Menschen und Ökosysteme ausbeuten, unterdrücken, bekriegen oder vernichten.
  • Spaß
    weil wir totz dieses Wohlstands und das ganzen Genusses immer weniger Spaß am Leben haben, immer mehr das Gefühl haben zu verzichten und immer weniger Genießen können.

Wenn wir unser Leben also mal genau betrachten, ist das alles ziemlich absurd. Wir verwenden unglaublich viel Zeit und Energie darauf zu verzichten! Dabei sind das genau die zwei Resourcen in unserem Leben, die begrenzt sind: Zeit ist die einzige Sache, die wir nicht wieder finden können wenn wir sie verloren haben und unsere Energie ist abhängig davon wie wir in eben dieser Zeit mit unserem Körper umgehen.

Natürlich ist das alles ziemlich stark polemisiert und pauschalisiert, aber es zeigt wie wir einem scheinbaren Genuss hinterherhetzen und dabei mehr und mehr verzichten. Warum also nicht mal die Perspektive wechseln und das ganze umdrehen: Genuss statt Verzicht! Das bedeutet wir genießen mehr weil wir:

  • öfter mal das Auto stehen lassen und zu Fuß gehen oder mit der Bahn fahren und keinen Stau, keine Parkplatzsuche und keinen Stress haben. Und je mehr Menschen wir mit diesem Genuss anstecken können, desto besser wird auch die Luft
  • bewusster mit unserem Stromverbrauch im Haushalt umgehen und durch energie-effiziente Produkte das Leben einfacher machen und dabei eine Menge Geld sparen.
  • mehr auf Qualität als auf Quantität bei unseren Lebensmitteln und anderen Konsumgütern setzen und Dinge kaufen die in unsere Umgebung hergestellt werden und deren Herstellungsprozess ohne Chemikalien auskommt.
  • Spaß am Leben haben, mehr Zeit zu genießen und mehr Energie für die Dinge die uns wirklich wichtig sind.

In diesem Sinne wünscht Green Life Ihnen ein genussreiches Jahr 2010, wir freuen uns darauf auch in diesem Jahr mit vielen Veranstaltungen und Vereinleistungen den Spaß und Genuss an einer nachhaltigen Lebensweise zeigen zu können!

Grün, Schlau, Sexy

Dezember 6th, 2009

Grün, Schlau, Sexy

Buch-Neuerscheinung zum UN-Klimagipfel

Martin Kleene, Gregor Wöltje
„Grün, Schlau, Sexy“

Wie Nachhaltigkeit unwiderstehlich wird und warum kein Weg daran vorbeiführt.

Rechtzeitig zum UN-Klimagipfel in Kopenhagen erscheint ein anschauliches Buch zum Thema Nachhaltigkeit. „Grün, Schlau, Sexy“ erklärt leicht verständlich das Prinzip der Nachhaltigkeit und gibt Denkanstöße, wie nachhaltiges Leben und Wirtschaften unwiderstehlich werden kann. Die Autoren Martin Kleene und Gregor Wöltje appellieren mit ihrer Sammlung aus Gedanken, Ideen und konkreten Handlungsanleitungen eindringlich an die Verantwortung jedes Einzelnen.

Martin Kleene: „Wir haben das Geld, das Wissen, die Ideen und die Technologie, um den Klimawandel zu stoppen und Nachhaltigkeit durchzusetzen. Voraussetzung hierfür ist aber, dass Nachhaltigkeit unwiderstehlich wird. Nur dann werden Millionen Menschen ihren Lebensstil ändern.”

Neben der ideologiefreien Auseinandersetzung mit dem Thema haben die Autoren großen Wert auf eine künstlerische Gestaltung jeder einzelnen Seite gelegt. So konnten sie mit Mirko Borsche einen der meist ausgezeichneten Gestalter Deutschlands für ihr Projekt gewinnen.

Gregor Wöltje: „Wir wollen Nachhaltigkeit leidenschaftlich und kraftvoll nahe bringen, in Inhalt und Gestaltung. Die plakative, provokante Gestaltung soll neugierig machen und wachrütteln.“

Die Autoren erheben mit ihrem Buch keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder wissenschaftliche Tiefe. Sie wollen zeigen, was sie zu Überzeugungstätern gemacht hat und mit dazu beitragen, dass Nachhaltigkeit zum Maßstab allen  Handelns und aller Entscheidungen in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft wird.

Stimmen zum Buch:

„Warnung, dieses Buch ist ansteckend! – Selbst für Skeptiker.“
Matthias Kowalski, Focus

„Wöltje und Kleene befreien die Nachhaltigkeitsdebatte vom ideologischen Ballast.“
Andrian Kreye, Süddeutsche Zeitung

„Dieses Buch rockt Herz’n Hirn.“
Peter Unfried, taz

„Ein unwiderstehlich anregendes Buch mit einer ‚nachhaltigen‘ Wirkung… Verzichten Sie nicht auf diesen Genuss!“
Martin Kloss, Schauspieler, Gründer von Green Life e.V., Hamburg

Die  Macher:

Die Autoren Martin Kleene und Gregor Wöltje verfügen über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Kommunikationsbranche. Mit ihrer Unternehmensberatung entwickeln sie Nachhaltigkeitsstrategien für Unternehmen, Marken und öffentliche Institutionen.

Der Art Director Mirko Borsche war jahrelang verantwortlich für die Gestaltung des Magazins der Süddeutschen Zeitung, das Magazin NEON und ist seit 2008 für die Gestaltung der ZEIT und des ZEIT-Magazins mitverantwortlich.

Das Buch wurde mit Hilfe der Memo AG klimaneutral hergestellt und ist ab sofort im Buchhandel für 12,95 Euro erhältlich. ISBN: 978-3-942071-03-1. Unter www.gruenschlausexy.de finden Sie ein digitales Cover zum Download und Originalseiten des Buches zum Blättern. Bestellung von Rezensionsexemplaren oder Interviewanfragen bitte direkt per email oder telefonisch.

Nachhaltigkeit – Warum?

November 21st, 2009

Eine Meinung von Green Life – Mitglied “Guido Pelka”

Das Konzept der Nachhaltigkeit beschreibt die Nutzung eines regenerierbaren Systems in einer Weise, dass dieses System in seinen wesentlichen Eigenschaften erhalten bleibt und sein Bestand auf natürliche Weise nachwachsen kann.

Im erweiterten Sinn eines „Zustands des globalen Gleichgewichts“ taucht der Begriff sustainable 1972 im Bericht Die Grenzen des Wachstums an den Club of Rome erstmals an prominenter Stelle auf.

„We are searching for a model output that represents a world system that is: 1. sustainable without sudden and uncontrollable collapse (…)“
Dennis L. Meadows:
The Limits of Growth 1972

Das Adjektiv sustainable findet dann 1974 in einem Dokument des Ökumenischen Rates der Kirchen Eingang, der bei der Definition eines neuen sozialethischen Leitbilds die Formulierung „just and sustainable society“ verwendet. Schließlich findet sich sustainable 1980 in der World Conservation Strategy, einer Richtlinie für den weltweiten Naturschutz, die unter der Schirmherrschaft des Generalsekretärs der Vereinten Nationen erarbeitet worden war.

Es ist Sonntag, später Nachmittag. Einer dieser Nachmittage, die Zeit lassen sich mit Begriffen und Situtationen auseinanderzusetzen und einem sonst eher wie ein Echo der globalen Kommunikation über die Lippen rutschen. Die Welt redet. Sie redet neuerdings sehr häufig und immer häufiger von „Nachhaltigkeit“. Der Begriff ist fast schon modern, beinahe populär. Das erkennen die Werbestrategen, die Produktentwickler und bahnen dem Begriff den Weg in neue Funktionen. Nachhaltigkeit ist der neue Messagetransmitter wenn es darum geht dem Verbraucher das Gefühl zu geben, etwas sinnhaltiges zu konsumieren. „Nachhaltigkeit“ ist die neue Rechtfertigung die man dem Konsumenten ins gesteuerte Kaufverhalten mischt, damit er nicht den Ansatz eines schlechten Gefühls als Keimzelle der Fragestellung „Ist das wirklich gut oder nötig“ verspürt sondern guten Gewissens kauft. Bleibt zu prüfen wie nachhaltig die Nachhaltigkeit wirklich ist.

Mir stellt sich die Frage, warum dennoch, wenn ja jeder jeden Tag liest und hört, dass es klimatechnisch gesehen schon 5 vor 12 ist, so wenig wirklich passiert. Warum so wenige Menschen tatsächlich etwas an sich ändern und wirklich nachhaltiger konsumieren. Nun, was bedeutet es eigentlich für den einzelnen wenn er nachhaltiger leben will? Und vor allem, was hat der einzelne davon?

Ich betrachte dies als die Kernfragen deren Antworten meiner Ansicht nach den Umgestaltungsprozess von einer Sodom und Gomorra Gesellschaft zu einer nachhaltigkeitsorientierten Gesellschaft stark vorantreiben werden. Ich glaube nämlich, und damit bin ich nicht alleine sondern reihe mich in eine lange Riege Wissenschaftler und Philosophen ein die genauso dachten und denken, dass der Mensch Nachhaltigkeit nicht als vorderstes Prinzip anerkennen will oder kann, weil es ihn nicht betrifft. Nachhaltigkeit wirkt sich heute gelebt in einer Zeit aus, die man selber nicht sicher erlebt. Man kann an dieser Stelle mit Statistiken zur Lebenserwartung und Regenerationszyklen um die Ecke kommen, aber davon nehme ich gerne Abstand. Man braucht keine Statistik um zu verstehen, dass das meiste von dem was ich nachhaltig verändere sich erst in vielen Jahren auswirkt. Auch wenn ich die subjektiven Erfolgserlebnisse meist schon sofort spüren kann.

Beispiel Stromanbieter. Ich wechsle heute und spare ab nächsten Monat. Wenn das Ziel meiner Nachhaltigkeit also die Ersparnis war, dann habe ich einen schnellen Erfolg. Und weil es um Geld ging bin ich als Mensch sofort konditioniert. Also her mit den Nachhaltgkeitslösungen – ich will Geld sparen und zwar sofort! Aber halt- das Ziel der Nachhaltigkeit ist nicht die Ersparnis. Es soll, um beim Beispiel Strom zu bleiben, eine Umstellung bis hin zur Vollversorgung mit erneuerbaren Energien erfolgen. Und auch das ist nicht das Ziel der Nachhaltigkeit sondern nur ein Mittel um diese zu erreichen. Eine Umstellung bis hin zur Vollversorgung mit regenerativen Energien wird bei derzeitigem Entwicklungstempo noch mindestens 60 Jahre dauern. In 60 Jahren wäre also der Schritt der im Stromthema die Nachhaltigkeit vollumfänglich für den Sektor der Stromgewinnung abschließt, getan. Ab hier würde die Nachhaltigkeit in der Stromgewinnung also beginnen. Ohne mich, wage ich zu behaupten. Denn meine Befürchtung ist, dass ich zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr lebe.

Warum also, sollte ich, 38 Single, keine Kinder, also über Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien nachdenken? O.K. wegen der Summe Geld die ich spare wenn ich auf Ökostrom umschalte vielleicht? Gehen wir von 120€ im Jahr aus, dann würde ich in 60 Jahren (also bis zum Zeitpunkt wo es nur noch regenerative Energien gibt) also 7200€ erspart haben. Für einen bis dahin 98 Jahre alten Rentner eine riesige Summe. Aber zieht man eine durchschnittliche Inflationsrate von 2,5 % von meinem Ersparten ab, dann ist bereits nach 6 Jahren mein Vorteilsparen aufgebraucht. Wenn man also versucht den Menschen wirklich von der Sinnhaftigkeit der Nachhaltigkeit zu überzeugen, dann darf man nicht ernsthaft mit dem Argument des Sparens für die Umwelt kommen. Das ist unehrlich und degradiert die Nachhaltigkeit zu einem KIK Produkt.

Nachhaltigkeit bedeutet aber viel mehr und deswegen finde ich, muss man diesen Begriff mit den Dingen Erklären, die Überzeugung schaffen. Denn es liegt auf der Hand das jeder der heute mit dem Begriff konfrontiert wird und dazu animiert werden soll nachhaltig zu leben, automatisch in einen Konflikt gerät. Nachhaltig Leben?! So leben, dass man auch später, also auch viel später, noch leben kann! Auch dann wenn man schon tot ist! Wie soll das gehen und welchen Sinn macht das ganze wenn ich es nicht schaffe ewig zu leben. Was habe ich davon? Denn sind wir doch mal ehrlich. Wie faszinierend ist eine Sache wenn sie mir nicht direkt etwas bringt und wie motiviert sind wir wenn wir eine Aufgabe die so schwer erscheint wie der Klimawandel zu erfüllen, wenn wir wissen, das wir sie in einem kompletten durchschnittlichen Lebenszyklus nicht bewältigen können? Sind wir ehrlich und stehen dazu, dass wir nur sehr schwer wenn überhaupt dazu zu bringen sind, etwas für die kommenden Generationen zu tun. Ausgenommen die die Kinder haben, die haben in diesem Punkt einen andere Einstellung. Solche Menschen fahren ihre Kinder gerne auch mal mit dem 3-Liter Hubraum Cayenne zur Schule, in der die Kinder so viel Grundmathematik beigebracht kriegen, dass sie später nicht mal ausrechnen können wie energieineffizient dieser Ausdruck der Fürsorge war.

Wir Menschen sind bei solchen Dingen nie wirkliche Kollektivarbeiter. Die anderen machen das schon. Warum ich? Ach, jetzt nicht, später! Oder einfach „Äh, keine Ahnung!“ Warum mit einem Begriff befassen, der eine Handlung fordert, deren positive Auswirkung in einer Zukunft stattfindet, in der ich wohl schon Vergangenheit bin! (An dieser Stelle bin ich der Ansicht, dass für das Vorhaben den Lebenswandel umzugestalten der Begriff “Vorsorge” besser geeignet wäre als der Begriff “Nachhaltigkeit”. Weil er zum einen auf einen bevorstehenden Zeitraum (Vor) hinweist, der ohne die nötige Vorbereitung zur Sorge Anlass gibt und somit auffordert sich zu Sorgen! Also ein Begriff mit aufrufendem, appellierendem Charakter. Nachhaltigkeit stellt sich eher lähmend dar. Nach beschreibt auf den ersten Blick eine Vergangenheit, haltigkeit deutet doch eher auf einen Stillstand, ein Halten der Situtation hin. Wie ich finde ein Begriff der auf den ersten Blick eher zur Stagnation und zur Passivität aufruft als dazu, etwas zu verändern. Erst wenn man bei Wikipedia nachschlägt erfährt man wie nachhaltig die Nachhaltigkeit gemeint ist.)

Eine Dame aus Schweden hat mich dazu animiert einmal ganz neu über Leben und Leben nach dem Tod nachzudenken und dabei wurde mir der Sinn der Nachhaltigkeit klar. Wir leben und wir sterben. Aus Platzmangel setzt sich die Feuerbestattung immer mehr durch. Da wir zum Großteil aus Eiweißverbindungen bestehen, wird nach der Verbrennung nicht viel von uns überbleiben und nichts von dem was übrig bleibt ist dazu in der Lage irgendetwas lebendiges zu schaffen. Auch die konventionelle Bestattungsart, so mit Sarg und schickem Anzug, sorgt nicht dafür, dass aus uns etwas lebendiges entsteht. Einmal von parapsycholgischen und religiösen Aspekten abgesehen, gibt es nach dem Tod also erstmal nichts! Das mag jetzt hart klingen, ist aber so.

Die erwähnte Schwedin ist der Sache auf den Grund gegangen und hat herausgefunden, dass wir einfach nur zu tief begraben werden. Wenn wir einfach nur auf der Erde lägen und nicht tiefer als die Humusschicht dick ist, dann würden wir zersetzt und damit zu Nährböden für Pflanzen. Jeder kennt das Bild eines Tierkadavers am Straßenrand. Nach ein paar Tagen kommen die Maden und nach ein paar Wochen ist nichts mehr zu sehen von der toten Amsel. Sie wurde zu Nährstoff für andere Lebewesen und ist damit eingebunden in einen so genannten ewigen Kreislauf des Lebens. Jetzt kann man es nachvollziehen, das ein Friedhof unappetitlich erschiene, lägen dort hunderte Leichen nur so auf der Humusschicht und westen so vor sich hin! An dieser Stelle sei erwähnt, dass wir dem Sinn der Nachhaltigkeit schon ganz nahe sind. Diese Schwedin jedenfalls hat sich gedacht, man müsse den menschlich Kadaver pulverisieren und dann in die Humusschicht einbringen. Das sieht dann nicht mehr eklig aus und riechen tut es auch nicht. Wie sollte man aber einen durchschnittlich 75 KG 165cm großen Eiweißknochenkadaver pulverisieren? Fleischwolf? Drechsler? Wer außer den empfindungsfreien Diktatoren der alten und neuen Welt könnte das tun?

Die Lösung war Tiefstgefrieren. Wasserstoff gefriert den toten Körper und ein anschließendes Vibrationsverfahren rüttelt den tiefgefrorenen Leichnam in ein feines Granulat das man dann in einem feierlichen Begräbnis ca. 5-10cm tief in die Erde einlegt und bedeckt. Bereits unmittelbar nach dem Tauprozess beginnt der Kreislauf des Lebens. Der verstorbene Mensch wird Nährboden für beispielsweise einen Baum. Der treibt Äste und Früchte, oder Samen. Dadurch entsteht Nahrung und Lebensraum für andere Lebewesen, Insekten und Vögel u. a. Es entstehen neue Pflanzen und Bäume und Tiere und Menschen und Leben. Vermutlich kriege ich selber davon nichts mit aber vielleicht doch schon jetzt. Ich kann mich entscheiden als was ich weiterleben möchte. Als deutsche Eiche, als Kiefer oder Nordmanntanne oder als Haselnussstrauch mit Vogelnestern drin. Vielleicht mögen meine Enkel die Geschichte vom Opa der zum Tannenbaum wurde.

Vielleicht werden die Menschen mit dem Abholzen der Regenwälder aufhören wenn man Ihnen klarmacht, dass dort in den Bäumen die Seelen der Vorfahren leben? Vielleicht aber wird uns damit die Möglichkeit geboten, selber einen Nutzen von der Nachhaltigkeit zu haben. Denn eins ist klar, wenn wir davon reden den Planeten zu retten, dann meinen wir nicht wirklich den Planeten. Eigentlich ist er uns bei diesen Parolen meistens völlig egal. Der Planet braucht unsere Hilfe nicht, denn ob Sie es glauben oder nicht, er wird auch dann noch da sein wenn wir schon längst nicht mehr als Spezies darauf leben können weil wir ihn unbewohnbar gemacht haben. Es wird vielleicht nicht mehr der blaue Planet sein sondern nur noch ein schmuckloser Fels der durch’s Weltall gondelt, aber es wird den Planeten noch geben. Nur uns nicht.

Deswegen wäre es sinnvoller wenn die Parolenschwinger wenigsten ehrlich blieben und mal ‘ne Parole raushauen würden wie: “Menschen, wir haben ne Scheißangst das wir aussterben. Lasst uns wenigstens sicherstellen, dass die Kiste so lange hält bis wir eines natürlichen Todes gestorben sind.“ Ja, und danach schmeißt der letzte die Fackel auf’s Dach oder was? Oder kommt dann der nächste Parolenschwinger? Bekommt dann jede Generation ihre eigenen Weltretter?

Betrachten wir die Sache mal etwas leichter und beschwingter. Wir können also durch das neue Beerdigungsverfahren tatsächlich ewig leben. Und dabei sogar als Gestaltwandler die Welt aus verschiedenen Perspektiven erleben. Naja, dass man das kann müssen Sie jetzt einfach mal glauben. Das ist ja für uns Menschen nicht so schwer, schließlich glauben wir auch Politikern ihre Wahlversprechen, der Kirche haben wir nicht zuletzt den Ablasshandel abgekauft- eine Gaunerei alla Salvatori für die man als Hütchenspieler ins Gefängnis kommt. Also glauben wir daran, dass wir nicht im Himmel weiterleben, sondern auf der Erde, dann muss es uns egoistisch veranlagten Kosmopoliten ein Ansinnen sein, dafür zu sorgen, dass es auch später noch eine Erde gibt auf der etwas wächst in dem wir weiterleben können. Und dafür können wir jetzt schon sorgen. Es gibt so vielfältige Möglichkeiten, Ökostrom, Versorgung mit Lebensmitteln aus der Region, Energiesparlampen, Elektroroller, Elektroautos, plusEnergiehäuser uvm.

Wer also will dass er auch nach dem Leben eine Welt zum Leben vorfindet, der tut etwas dafür! Jetzt! Ich tu es und es macht Spass. Mein Ziel: Ich will als Baum auferstehen, 30 Jahre lang wachsen und mich an der Sonne erfreuen, dabei jedes Jahr meinen Samen in die Welt tragen lassen und in noch mehr Bäumen weiterleben. Irgendwann will ich als Schrankwand bei Ikea die Leute faszinieren und danach den Wertstoffprozess durchlaufen und als Kompostdünger über Tulpenfelder in Amsterdam gesprüht werden…..Ich will leben und darum arbeite ich an einer Welt zum Leben!

Hinweis der Redaktion:
Artikeln von Mitgliedern sind freie und individuelle Meinungsäußerungen der jeweiligen Person und entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung des Vereins und/oder seines Vorstands und den anderen Mitgliedern!

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