Fahrbericht: Elektromobil ohne Grenzen
Los geht’s. Der Augustmorgen ist doch kühler als gedacht, ich drehe nochmal um und hole einen weiteren Pullover. Drei Lagen müssen nun reichen, eigentlich sollte es ja Sommer sein.
Der E-Roller schafft 45km/h Spitze, und das Ziel ist das Alte Land. Ein Anruf beim Verkehrsverbund brachte keine Klarheit ob auch Elektroroller mit auf die Fähre Övelgönne-Finkenwerder dürfen, also einfach ausprobieren. Klappt.
Ein Mitarbeiter der Fähre kommt zu mir und fragt ob dieses KFZ einen Verbrennungsmotor hat. “Ach nee,” sagt er,” steht ja drauf: “ich fahre elektrisch” kann ma da lesen. “Geiles Teil”, fügt er noch hinzu.
Überhaupt gibt es nur positive Kritiken und Feedback. “Wie viel macht der denn so?” fragt ein älterer Herr beim Aussteigen. 60 Kilometer Reichweite schafft der wenn man nicht ständig wie in der Stadt anfahren muss, entgegne ich. “Ja, und wie schnell?” Meine Antwort: Wir sehen uns an jeder Ampel in der City wieder.

Hier genau liegt der erste Reiz des “NOVI”, den die Firma Emco aus Lingen in Westfalen herstellt. Ein Elektroroller verschafft einem die optimale Mobilität im innerstädtischen Bereich, nur Fahrradfahren ist noch besser.
Am Beispiel der Großstadt und Umwelthauptstadt Hamburg – die als Green Capital Europas 2011 als Erstes die autofreien Sonntage abgeschafft hat- sieht man wie sich der Verkehr mittlweile durch zuviele Autos bewegt – nämlich fast gar nicht mehr. Man fährt von Rot zu Rot. Eine Ampel folgt nach ca. 500m auf die nächste. Stau jeden Tag. Wozu also dafür Benzin vergeuden? Das nächste Ärgernis als Autofahrer: Parkplatzsorgen? Gibt es hiermit nicht. Man findet immer einen mit dem E-Roller.
Der Weg führt von Finkenwerder aus Richtung Jork. Entlang der Airbus Basis mit einer schnurgraden Speed-Strecke, wo der Roller mit Rückenwind schon mal 55km/h schnell wird, schnuppert man die erste Landluft.
Hören kann man auch alles von der Natur um einen herum, denn nerviges Motorgeknatter gibt es nicht. Vibrationen in der rechten Hand vom Gas geben – gibt es nicht, Elektromotoren haben keine Vibrationen wie Benzinmotoren. Durch die malerische Landschaft des Alten Landes entdeckt man Entschleunigung und Fahrvergnügen pur. Die Obstbäume hängen voll mit Äpfeln und Kirschen, dazu gibt es oft den fantastischen Duft von frisch gemähtem Heu.
12.00 Uhr, Pause beim Bäcker. “Guten Tag, ich würde gern bei Ihnen tanken“. Die Verkäuferin schaut ungläubig, fragt ob ich einen Kaffee möchte. Den möcht ich auch, aber zur Sicherheit fülle ich den Tank mit einer neuen Ladung Strom aus der Steckdose in der Ecke auf. Die Bäckerei willigt begeistert ein, sowas hat man noch nie gesehen.
Den Akku kann man herausnehmen und überall laden, kurz verbunden mit dem Adapter lädt er nun unauffällig bis die Bäckerei-Tankstelle um 12.30 leider schon schließt. “Wir machen hier Mittagspause, tut mir Leid. Is’ nicht Hamburg hier.” Nun ja, macht nichts. Fahren ist sowieso schöner wenn man weiß, dass die gesamte Fahrt von ca. 50 Kilometern nur 20 Cent kostet.
Wutausbrüche am Gaspedal
Wer defensiv fahren muss, wie mit einem auf 45 km/h gedrosselten E-Roller mit dem man sich keine sinnlosen Eskapaden am Gashebel leisten kann, entdeckt dass Benziner in der City längst schon keinen Sinn mehr machen. Wie lange der Irrsinn schon geht, weiß jeder Autofahrer, der jeden Tag zur Arbeit muss.
Der nächste Vorteil des Elektrorollers: mit 45 km/h Spitze kann man nie zu schnell fahren, Radarkontrollen interessieren einen nicht, und 30er-Zonen treffen eh genau die Durchschnittsgeschwindigkeit, die man so erreicht bei einem normalen Fahrvorgang. Autos fahren im Schnitt genauso schnell, sie wollen es nur nicht war haben.
Diese Wahrheit, die diverse Autoverbände für die City immer wieder statistisch vorrechnen, ist einfach zu hart für ein Autobesitzerdasein, das immer wieder einen Grund findet, warum das Auto bewegt werden muss. Der dafür aufgenommene Kredit ist meist der wichtigste Grund. Ich habe mich für mein Auto bei der Bank verschuldet, nun will ich auch fahren. Nein, ich muss es sogar, wie steh ich sonst vor meinen Freunden da?

Der Novi kostet knapp dreitausend Euro, der Hersteller bietet darin eingeschlossen eine 2-jährige ADAC Abschleppgarantie, sollte man doch mal liegen bleiben. Jedoch macht der Langstreckentest nur Freude, während man an vielen alten Mofas und Mopeds vorbei fährt, deren Besitzern krampfhaft versuchen zu starten oder grad mal wieder mit Anlasser, Kolben oder Zylindern kämpfen. Ein Elektromotor hat keins dieser Teile, ergo sum hat man auch keine Probleme damit.
Der Deich ruft, noch schnell ein Pfund Kirschen gekauft und im Topcase verstaut, das problemlos einen kleinen Einkauf stemmt als Stauraum. Es geht zurück entlang der Jorker Mühle, über Königreich und noch mehr Obstplantagen und wieder nach Finkenwerder. Gut berechnet kann man praktisch jede Strecke schaffen, Strom und Steckdosen finden sich überall. Eine Vollladung dauert 4-5 Stunden, Zwischenladungen sind mit dem Lithium-Ionen Akku auch jederzeit wie beim Handy möglich.
Fazit unseres Tests: für die City ist der “Novi” das ideale Fahrgerät. Kurzausflüge ins Hamburger Umland sind umstandslos möglich. Bei den Kosten unschlagbar und selbst in der Anschaffung günstiger als eine vergleichbare Vespa mit Verbrennungsmotor. Und geladen wird bei Green Life natürlich mit Windstrom aus Hamburg.
